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Autor: Anne Elvedal
Verlag: Ullstein ebooks
Erschienen: 04. August 2025
Format: ebook
ISBN: 9783843736701
Seitenzahl Print: 352 Seiten
Inhalt
Eine düstere Klinik. Zwei vermisste Frauen. Ein Alptraum, der nie endet.
Krankenschwester Ida ist beliebt auf der Station 22. Ihre Patientinnen vertrauen ihr blind – bis eine von ihnen verschwindet. Während alle von Flucht sprechen, bohrt sich ein brutaler Verdacht in Idas Bewusstsein.
Sie selbst wurde als Kind entführt und kehrte mit ausgelöschtem Gedächtnis zurück.
Als eine zweite Frau verschwindet, wird es zur grausamen Gewissheit: Idas Peiniger hat sie aufgespürt. Um die Opfer zu retten, muss sie in die Abgründe ihrer Psyche steigen und die Mauer durchbrechen, die sie vor der Wahrheit schützt.
Die Thriller-Sensation aus Norwegen endlich auf Deutsch

Meinung
Der Klappentext von Station 22 klang genau nach der Art Thriller, die ich gern lese: düster, psychologisch und mit einer Protagonistin, die selbst eine schwere Vergangenheit mit sich trägt. Entsprechend gespannt bin ich an das Buch herangegangen.
Im Mittelpunkt steht Ida, Krankenschwester auf einer psychiatrischen Station. Als Kind wurde sie entführt, ihr Gehirn hat die Erfahrungen aber verdrängt – ein Trauma, das sie bis heute begleitet. In der Gegenwart merkt man schnell, wie sehr dieses Erlebnis ihr Leben geprägt hat: Sie lebt zurückgezogen, hat ihr Aussehen bewusst verändert und versucht, möglichst unauffällig zu bleiben. Dass sie ausgerechnet auf einer Station mit psychisch kranken, suchtkranken und depressiven Patientinnen arbeitet, passt dabei erstaunlich gut zu ihrer eigenen Geschichte.
Die Handlung springt zwischen Gegenwart und Rückblenden, wobei vieles nur angedeutet wird. Gerade diese Bruchstücke aus Idas Kindheit sind verstörend, auch wenn (oder gerade weil) sie nicht immer ausführlich beschrieben werden. In der Gegenwart verschwinden Patientinnen von der Station, und langsam verdichtet sich der Verdacht, dass Idas Vergangenheit mehr mit dem Geschehen zu tun haben könnte, als ihr lieb ist.
Spannend war das Buch für mich auf jeden Fall, allerdings auf eine eher nüchterne, distanzierte Art. Der Schreibstil wirkt kühl und fast emotionslos, was das Lesen manchmal etwas zäh gemacht hat. Gleichzeitig passt diese Sachlichkeit aber auch zu Ida selbst, zu ihrem Beruf und zu der bedrückenden Atmosphäre der Klinik und ihrer Vergangenheit. Trotzdem hatte ich stellenweise das Gefühl, emotional auf Abstand zu bleiben.
Das Ende liefert eine Auflösung und beantwortet viele Fragen – und doch hat es mich nicht ganz zufrieden zurückgelassen. Einerseits ergibt alles Sinn, andererseits fühlte es sich für mich nicht rund an. Einige Aspekte wirkten seltsam, andere Fragen blieben für mein Empfinden offen. Ich kann schwer benennen, woran es genau lag, aber das letzte Gefühl nach dem Lesen war eher zwiespältig.
Fazit
Station 22 ist ein düsterer, psychologisch ausgereifter Thriller, der mit einer interessanten Hauptfigur und einer beklemmenden Atmosphäre punktet. Der nüchterne Stil passt zur Geschichte, machte es mir aber schwer, wirklich einzutauchen. Spannend, aber emotional distanziert – und mit einem Ende, das mich insgesamt etwas ratlos zurückgelassen hat – passend zur Geschichte war es auf jeden Fall.